... das letzte Rennen steht vor der Tür - oder besser: vor dem Harz. Dort am südlichen Rande des Gebirges, von wo aus der Rest der Republik, halb Amerika und Japan mit lustigen Holzschnitzereien überschwemmt wird, liegt in einem romatischen Tagebau-Tal die Industriestadt Most. Eingerahmt von schmucken Kühltürmen und Waldresten voll Baumskeletten. Die Rennstrecke ist erlebenswert, denn sie besitzt den leicht morbiden Charme der späten 50er Jahre. Also perfekt für unsere Rennwagen gleicher Periode. Etwas schwieriger ist es, die Strecke zu finden, denn die Stadt Most ist mit Hinweisschildern genaus so sparsam wie mit Renaturierungs-Maßnahmen.

Aus dem geplanten 6-Stunden-Rennen wurde aus organisatorischen Gründen ein 5-Stunden-Rennen. Mit an Bord in unserem Sebring Sprite war Robert Tomitzi, der schon zum Oldtimer-Grand-Prix sein Können bewies. Wir sind als fünfte in der Meisterschaft angereist und mußten unsere Form hier nochmals bestätigen. Dann wäre ein Platz unter den Top-Five durchaus denkbar. Aber fünf Stunden sind nunmal eine lange Zeit, in der viel passieren kann

Mit in der Tschechischen Republik waren Roberto Cocciarelli und Marco Moretti mit ihrem knallgelben Sprite angereist, um uns wieder das Leben schwer zu machen (siehe Rennbericht 6. Lauf). Wir bauten unser Equipment gemeinsam in einer Box auf und die Mozarella-Truppe aus Rothenburg malte sich in bewegten Bildern aus, wie sie uns auf der Strecke davonfahren wollten.

Das Training war mit 35 Minuten knapp angesetzt. Wie in dieser Saison gewohnt, fuhr ich nur wenige Runden und mußte dabei noch die frischen Bremsbeläge einfahren. Robert Tomitzi setzte sich dann in den Wagen und dübelte erst einmal mit einer 2:17,38 die schnellste Runde in unserer Klasse in den Most-Asphalt.

Wir hatten dann noch ein 15-minütiges Warm-Up, das jedoch aufgrund eines Unfalles vorzeitig abgebrochen wurde. Dem TR4 des symphatischen Team Mutschler brach ein Rad ab, der Wagen übeschlug sich zweimal und brannte dann vollständig aus. Dem Fahrer ist nicht passiert und die Streckenposten mußten die Reste aufkehren.


Der Sebring ist startklar während die Cocciarellis schrauben ...


Robert Tomitzi fährt im Training Klassenbestzeit ...


Im Hintergrund schimmern die Kraftwerktürme ...

 


Start des Feldes um 14:15 Uhr ...


Nach langem Kampf ist der MG B überholt ...


Eine Pinkelpause kostete dem Escort-Team zwei Runden ...

 

Sonnenschein und Kraftwerkstaub...

Es herrschte an diesem Samstag Kaiserwetter. Beim Start zum Rennen kletterte die Temperatur auf knapp 20 Grad. Der Himmel war oberhalb der Dunstschicht sicherlich blau.

28 Rennwagen des Historischen Langstrecken Cups setzten sich um kurz nach 14 Uhr in Bewegung. Team Cocciarelli stand hinter uns. Sie hatten noch das zusätzliche Problem, dass durch Verwendung oktanreduziertem, tschechichen Benzins die Zylinderkopfdichtung durchbrannte und diese vor dem Start gewechselt werden mußte. Ich saß beim Start im Wagen und fuhr die ersten 75 Minuten. Auf der Strecke war diesmal nicht der gelbe Pizzaexpress unser Gegner, sondern ein himmelblauer MG B. Die Mannschaft, die uns auch in Spa half, die Kupplung zu wechseln, fuhr identische Rundenzeiten.

Von Platz 23 gestartet, übergab ich Robert auf Platz siebzehn den Wagen. Robert machte seine Sache wieder klasse. Wir fuhren beide Zeiten zwischen 2:17 und 2:19 und konnten über die Zeit langsam im Klassement nach vorne kommen. Einen Überblick über die Rundenzeiten finden Sie hier. Zwischenzeitlich vielen Roberto und Marco mit ihrem gelben Sprite aus. Nix Pizza-Connection-Sieg. Die Reparatur am Motor war leider nicht haltbar gewesen und Wasser drückte aus dem Zylinderkopf dampfend ins Freie.

Robert Tomitzi übergab mir kurz vor halb fünf den Wagen - auf Platz 14. Langsam begann die Sonne im Dunst unterzugehen und romatisch glitzerte der Nickel-Cadmium-See am Horizont. Einen kurzen Schreckmoment mußte ich noch überstehen, als sich der spätere Gesamtsieger, ein Porsche 911 ST beim Überholvorgang vor mir drehte. So war eine etwas modifizierte Ideallinie durch das Kiesbett unumgänglich, was jedoch die Auspuffaufhängung demolierte. Als Folge klopfte es in Rechtskurven unter dem Wagen, was jedoch zu ertragen war.

Unser letzter Boxenstopp fand gegen sechs Uhr statt. Auf Platz 11 liegend, hatten wir bisher viele schnellere Wagen hinter uns gelassen. Team Steffens im bananengelben Escort, die die Saison über immer schneller waren, legten einen zusätzlichen, überraschenden Halt ein, da der zweite Mann unbedingt austreten mußte. Die Pinkelpause kostete insgesamt knapp vier Minuten ...

 

Alles, was machbar war ...

Die einbrechende Nacht veranlasste Robert nicht, langsamer zu fahren. Da dies andere Teams anders sahen, stand Team ADAC-ClassicCar-Versicherung 15 Minuten vor Rennende auf dem neunten Gesamtplatz - als kleinstes, ältestes und schwächstes Fahrzeug im Feld!

Den Klassensieg hatten wir sicher, ein vorderer Platz im Rennen wäre ein schöner kosmetischer Abschluß einer abwechsungsreichen Saison. Doch leider kam es anders. Am Ende der schnellen Start-/Zielgeraden ließen harte Klopgferäusche aus dem Motor den Traum einer Position in den Top Ten des Rennens platzen. Mit Motorschaden rollte Robert aus. Auf dem Zeitenmonitor rutschten wir bis Rennende auf Platz 13 zurück.

Der kleine 1.000 ccm-Rennmotor, der fast 9.000 U/min dreht, hatte in dieser Saison knapp 40 Trainings- und Rennstunden hinter sich. Eine Meisterleistung des Motorenbauer Wolfgang Kirsten, dass dieser Motor so standfest war. 15 Minuten vor Saisonende zu kapitulieren, ist ein winzinger Schönheitsfehler.

Trotz des Ausfalls waren wir noch in der Wertung und holten mit dem Klassensieg die volle Punktzahl! Das Mögliche haben wir erreicht, doch reichte es in der Meisterschaft in die Top Five?

Es reichte! Mit 126 Punkten steht Team ADAC-ClassicCar-Versicherung auf dem dritten Platz im FHR Historischen Langstrecken Cup. Drei Punkte Abstand zum Cup-Gewinner Team Winterhagen auf Alfa Romeo Sprint GT und zwei Punkte Abstand zum Zweiten, Team Paragon AG auf Porsche 904/6. 51 Teams, alle, mit zum Teil wesentlich stärkeren und moderneren Fahrzeugen, haben wir hinter uns gelassen.

In der Klasse 2 des FHR Historischen Langstrecken Cups, GTs bis 1.300 ccm bis Baujahr 1965, haben wir den ersten Platz erreicht.

Die Klassenergebnisse der Saison im Einzelnen:

1. 500 km Nürburgring: Klassensieg
2. Eurospeedway Lausitz: Klassensieg
3. 3 Std. Nürburgring: Ausfall
4. Oldtimer-GP Nürburgring: Klassensieg
5. 6 Std. Spa-Francorchamps: Platz 2
6. RGB 3 Std. Nürburgring: Klassensieg
7. 5 Std. Most: Klassensieg

 


Eine wunderschöne Strecke in fürchterlicher Umgebung ...


Alisha hat uns fast fünf Stunden die Zeiten angezeigt.
Das Boxenschild ist 35 Jahre älter ...


Boxenstopp: Alle packen mit an ...


Letzter Austausch vor dem Losfahren ...

 


Der neue Langstreckenmeister, Team Winterhagen
überrundet uns ...


Robert im heißen Drift ...


Auch in Most sind die Nächte sehr dunkel ...

 

Die Arbeit an der Rennstrecke über die gesamte Saison war eine Teamleistung. Alle haben ihren Beitrag zu diesem schönen Erfolg geleistet:

Die Fahrer:
Michael Marsani (Rennen 1, Nürburgring)
Reinhard Halbgewachs (Rennen 2, Eurospeedway Lausitz)
Roberto Cocciarelli (Rennen 3, Nürburgring)
Robert Tomitzi (Rennen 4, Nürburgring + Rennen 7, Most)
Hans-Jorg Krag (Rennen 5, Spa-Francorchamps)
Jörg Klinkhammer (Rennen 6, Nürburgring)
Kai v. Schauroth (alle Rennen)

Die Rennmechaniker und Helfer:
Alexander Piehler
Benni Voss
Christian Ott
Michael Breitenbach
Alisha Vogeler
Lars Schlaphof
Das MG-Team, das uns in Spa half, die Kupplung zu wechseln:
Andreas Pichler
Henrik Verspohl
Horst Prokoppa
Curt Wagner

Motor- und Getriebe:
Wolfgang Kirsten, Leverkusen

Sponsoring:
ADAC-ClassicCar-Versicherung
Bastian Schonauer

Fotos:
BR-Foto Drirk Reiter

Tabelle mit Rundenzeiten Most